Lexikon

Ataxie

Ataxie (griech.: ataxia = Unordnung, Unregelmäßigkeit) beschreibt Störungen der Bewegungskoordination, die häufig auf Beeinträchtigungen des Rückenmarks und des Gehirns sowie auf Bakterieninfektionen zurückzuführen sind. Die Erkrankung kann sowohl beim Menschen als auch beim Pferd auftreten.

Die spinale Ataxie, ausgehend vom Rückenmark, kann durch Schädigungen der dort liegenden Nervenbahnen angefacht werden. Diese Form der Ataxie tritt vor allem bei Pferden auf, welche dadurch an einer Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanals) leiden. Dabei können bestimmte Wirbel auf Fasern im Inneren des Wirbelkanals drücken, wodurch Befehle aus dem Gehirn fehlerhaft an die Muskulatur weitergeleitet werden, sodass es zu den typischen, unkontrollierten Bewegungen kommt. Oft reichen bereits Blutergüsse im Rückenbereich aus, um die Erkrankung auszulösen. Weiter kann sich eine spinale Ataxie im Wachstumsprozess von Fohlen und Jungpferden entwickeln. Der Grund dafür kann eine zu energie- und eiweißreiche Fütterung sein, die für einen unregelmäßigen Wachstumsprozess des Wirbelkörpers sorgt. Dadurch können bestimmte Wirbel im Bereich der Halswirbelsäule miteinander verrenken und auf das Rückenmark drücken. Eine typische Ursache für Ataxie im Alter kann häufig eine Arthrose des Wirbelkanals sein. Pferde, die an einer spinalen Ataxie leiden, werden auch Wobbler (englisch: to wobble = wackeln) genannt.

Bei einer zerebralen oder zerebellaren Ataxie ist nicht die Wirbelsäule, sondern das Gehirn direkt betroffen. Das heißt, dass die Störung des Informationsaustauschs bereits beim Sender der Befehle stattfindet. Bei einer zerebralen Ataxie sind großflächige Bereiche des Gehirns wie das Groß-, Mittel- und Zwischenhirn betroffen, während bei einer zerebellaren Ataxie das Kleinhirn geschädigt wird und somit die Vermittlung von Befehlen bezüglich des Gleichgewichts und der Sinneseindrücke betroffen sein kann. Ursachen für die Schädigung des Gehirns können Virus- und Bakterieninfektionen (z. B. Equine Herpes-Virus) sein, da die Nervenbahnen durch verursachte Schwellungen und Entzündungen im Gehirn verengen können. Befehle des Gehirns können somit nur teilweise oder gar nicht über das Rückenmark an die Muskeln weitergeleitet werden und das Pferd ist fast gänzlich bewegungsunfähig. Neben dem Herpes-Virus können auch Borrelia burgdorferi Bakterien, Parasiten sowie Vergiftungen als Ursache gelten. Die Behandlung einer zerebralen und zerebellaren Ataxie kann auf der Gabe von abschwellenden Medikamenten basieren. Zudem kann die Fütterung von Ergänzungsfuttermitteln (z. B. Selen, Vitamin E) die Halsmuskulatur unterstützen und dadurch die Wirbelsäule entlasten.