Die Inhalte des MIGOCKI Lexikons basieren auf fachlicher Literatur, wissenschaftlichen Studien und ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen und beziehen sich im Allgemeinen auf den Menschen, die Tiere und die Pflanzenwelt.
Lexikon
Rohfaser
Rohfaser ist ein analytischer Bestandteil von Futtermitteln und beschreibt den Anteil schwer verdaulicher pflanzlicher Gerüstsubstanzen. Sie besteht überwiegend aus Cellulose sowie Anteilen von Hemicellulose und Lignin und dient als klassischer Kennwert für den Strukturgehalt pflanzlicher Futtermittel.
Der Rohfasergehalt wird mit einem standardisierten Analyseverfahren bestimmt. Da dieses Verfahren nicht alle Faserbestandteile vollständig erfasst, stellt der Rohfaserwert lediglich einen Orientierungswert dar. Für eine detailliertere Beurteilung der Faserqualität werden insbesondere bei Raufutteranalysen heute häufig zusätzlich die Parameter NDF (Neutral Detergent Fiber) und ADF (Acid Detergent Fiber) herangezogen.
Die Bedeutung von Rohfaser in der Pferdefütterung: Pferde sind als Dauerfresser auf eine ausreichende Versorgung mit strukturreicher Rohfaser angewiesen. Sie fördert eine intensive Kautätigkeit, regt die Speichelbildung an und unterstützt eine physiologische Verdauung. Gleichzeitig dient sie den Mikroorganismen im Dickdarm als Grundlage für die Bildung flüchtiger Fettsäuren, die einen wichtigen Teil der Energieversorgung des Pferdes darstellen.
Ein hoher Rohfasergehalt bedeutet jedoch nicht automatisch eine hohe Futterqualität. Entscheidend sind neben der Rohfasermenge auch die Zusammensetzung der Faserbestandteile, die Verdaulichkeit sowie die Herkunft des Futtermittels.
Der Rohfasergehalt ist insbesondere bei Grundfuttermitteln wie Heu, Heulage oder Gras sowie bei strukturreichen Futtermitteln von großer Bedeutung. Bei Ergänzungs- und Mineralfuttermitteln, die meist nur in geringen Mengen gefüttert werden, besitzt der Rohfasergehalt hingegen eine deutlich geringere Aussagekraft. Hier stehen die jeweils enthaltenen Nähr- und Wirkstoffe im Vordergrund.